Eine Antwort auf Terrorismus aus vedischer Perspektive

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Terrorismus ist der systematische Einsatz von Terror, insbesondere als Nötigungsmittel. Terrorismus hat es schon immer gegeben.

In den alten Schriften Indiens wird darüber berichtet, wie böse Mächte wie die Rākṣasas (dämonische Könige), die Verehrer und Gefährten Viṣṇus (zweiter Gott der hinduistischen Dreifaltigkeit) bedrohten und attakierten. Im Epos Rāmāyaṇa wollte sich der Dämonenkönig Rāvaṇa an Śrī Rāma rächen. Deswegen entführte er Rāmas Frau Sītā und quälte sie. Ähnlich wollte Kaṁsa, laut dem Śrimad Bhāgavata Puraṇa, Śrī Kr̥ṣṇa töten. Aus diesem Grund terrorisierte er Kr̥ṣṇas Anhängerschaft, die friedliebenden Bewohner von Vrindāvana.

Es ist noch nicht lange her, dass Machthaber wie Adolf Hitler, Idi Amin und Pol Pot im Namen der Religion Pogrome und Massenmorde verübten.

Terror mithilfe von Technik

In der Vergangenheit wurde Terrorismus hauptsächlich von Machthabern propagiert. Sie griffen die Königreiche ihrer Feinde an und raubten deren Bürger aus oder benachteiligten eine bestimmte Bevölkerungsgruppe ihres eigenen Reiches, da die Bürger es nicht wagten, sich gegen den Herrscher aufzulehnen.

Derzeit sieht die Situation anders aus. Auch diejenigen, die nicht an der Macht sind, können mithilfe der Technik Terror ausüben. Durch die Technik sind Massaker ein Leichtes geworden. Der 11. September, die Bombenanschläge in London, Bali oder Karatschi sind anschauliche Beispiele für den Missbrauch von Technik.

Da der weltweite Terror zunimmt, werden strengere Sicherheitsmaßnahmen durchgesetzt. Es ist paradox, dass die Sicherheitsmaßnahmen selbst dabei zu einer Bedrohung für den Normalbürger werden. Überall gibt es verschärfte Sicherheitskontrollen, sei es am Flughafen, in Einkaufszentren oder beim Abschluss eines Mobilfunkvertrags. Wir haben vor dem terrorbekämpfenden Fachpersonal genauso viel Angst, wie vor den Terroristen selbst. Überall herrscht eine gewisse Beunruhigung. Das Leben ist sehr unsicher geworden und die Menschen ängstlich. Die Menschen fühlen sich nicht mehr so frei wie früher. Die Atmosphäre ähnelt eher dem, was wir einst über das kommunistische Russland gehört oder gelesen haben. Letztendlich scheint die Situation auf diese Weise den Zweck von Terrorismus selbst – unschuldige Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen – zu erfüllen.

Das Antlitz des Terrors

Was ist der eigentliche Grund für Terrorismus? Die Gründe sind vor allem der Mangel an angemessener Bildung und eine sehr starke, unangebrachte Überzeugung von einer Religion oder Ideologie. Die Handlungen einer Person basieren auf ihrem Wissen und ihren Überzeugungen. Betrachten wir den Geist eines Terroristen einmal näher. Wir werden staunen, wie viel „Hingabe“ diese Menschen an den Tag legen.

Bevor jemand eine drastische Maßnahme ergreift, wie z. B. sich am Terrorismus zu beteiligen, trifft er eine bewusste Entscheidung, Menschen in Angst und Schrecken versetzen zu wollen. Dann plant er akribisch die Umsetzung seines Vorhabens. Er beschafft sich die Mittel zur Durchführung seines Plans, d. h. die erforderlichen finanziellen Mittel, geeignetes Personal, Waffen, usw. Außerdem unterzieht er sich selbst einem strengen Training, bevor er seine Komplizen oder Gehilfen das Gleiche tun lässt. All dies kostet sehr viel Zeit. Dabei bleibt er unablässig auf sein Vorhaben, dem Ausüben von Terror, fokussiert. Dies erfordert eine ständige Erinnerung an das verfolgte Ziel.

Niemand wird bestreiten, dass das eigene Leben das Kostbarste ist, was wir besitzen. Um unser Leben zu schützen, sind wir bereit alles aufzugeben. Es besteht eine starke Anhaftung an den eigenen Körper. Die einzige Ausnahme hierzu ist, wenn sich jemand mit einem anderen Menschen (z. B. einem Verwandten) oder einer Sache (z. B. einer Nation oder Religion) identifiziert und bereit ist, sein Leben dafür zu geben. Das eigene Leben für etwas zu opfern, erfordert jedoch einen sehr tiefen Glauben und eine starke Motivation. Niemand wird mit solch einer Denkweise geboren.

Egoismus im Gewand der Liebe

Es gibt weitere Ausnahmefälle, in denen jemand bereit ist sein Leben zu opfern: aus Liebe oder aus Egoismus. Terroristen sind sicherlich keine liebenden Menschen – vielleicht deswegen nicht, weil Hass keine Grundlage für Liebe sein kann. Mag sein, dass sie es doch auf eine Weise sind, dann kann man aber dagegenhalten, dass sie ihr Leben aus Liebe zu ihrer Religion opfern. Solch eine Liebe ist jedoch nichts anderes als Egoismus unter dem Deckmantel der Liebe.

In jedem Menschen steckt in unterschiedlichem Ausmaß ein Biest. Bei der geringsten Kränkung des Egos kann dieses Biest zum Knurren und Brüllen gebracht werden. Diese tierische Natur ist unterschiedlich stark ausgeprägt. In der Jugend ist sie stärker ausgebildet als im Alter.
Die Täter des Terrorismus wissen dies sehr wohl und machen es sich zunutze. Untersuchungen zeigen, dass terroristische Vollstrecker meist Jugendliche und religiöse Fanatiker sind. Sie halten sich für die Retter ihres Glaubens und sehen es als ihre Aufgabe an, im Namen der Gemeinde zu handeln. Man überzeugt sie davon, dass ihr Ego von einer anderen Religion oder Gemeinschaft verletzt worden sei, dass ihre eigene Religion oder ihr Glaube von den Gegnern bedroht sei und, dass die einzige Lösung darin bestehe, Rache zu nehmen. Es kann auch noch einige andere Gründe für Terrorakte geben, wie die Unterdrückung einer Minderheit oder ein politisches Motiv.
 
Gewalt im Gegensatz zu Bildung

Extremistisch gesinnte Menschen zu töten, würde das Problem nicht aus der Welt schaffen. Das eigentliche Problem liegt in der Psyche, die sich im Äußeren manifestiert. Töten oder verfolgen wir Terroristen strafrechtlich, werden an ihre Stelle Menschen mit ähnlicher Gesinnung treten. Dieses Muster wird sich fortsetzen, wie dies seit jeher der Fall war. Dem Terrorismus kann nicht allein durch Staatsgewalt Einhalt geboten werden. Zweifellos ist ihr Einsatz sinnvoll. Gegen diejenigen, die sich dem Terrorismus verschrieben haben und, die nicht mehr bereit sind sich zu ändern, sollte unter Einsatz von Staatsgewalt vorgegangen werden.
Es gibt jedoch viele, die sich ändern würden, wenn sie eine wahre Chance dazu bekämen. Es scheint einfacher, Macht auszuüben, als Menschen Bildung zu ermöglichen. Die Ergebnisse dieser beiden Ansätze unterscheiden sich jedoch Śrī Kr̥ṣṇa setzte beides mit Bedacht ein. Er rottete den unrechtmäßigen Pöbel aus und sprach gleichzeitig die Bhagavad Gītā, um Frieden, Harmonie und Liebe zu lehren. Er trug das Chakra, um mit extremen Terroristen fertig zu werden und Dinge wie Lotus, Muschel und Flöte, die für Frieden, Wissen und Liebe stehen.

Eine nachhaltige Lösung für Extremismus liegt daher, neben dem bedachten Einsatz von Staatsgewalt, in einer angemessenen, wertebasierten und umfassenden Bildung. Ein Mensch ohne angemessene Bildung ist nach alter indischer Tradition ein Tier, jnanenah hina pashubhib samana. Das vedische Bildungssystem schrieb zwei Arten von Vidyā (Wissen) vor: Parā-Vidyā, höhere Bildung, und Aparā-Vidyā, niedrigere Bildung. Parā-Vidyā bezieht sich auf das Leben, Spiritualität und den Schöpfer. Aparā-Vidyā bezieht sich auf den Beruf. Gegenwärtig fehlt das Parā-Vidyā in unserem Bildungssystem. Heutzutage besteht Bildung hauptsächlich aus Aparā-Vidyā. Im vedischen Bildungssystem war Parā-Vidyā verpflichtend während Aparā-Vidyā auf Freiwilligkeit beruhte. Unter den heutigen Umständen wäre es sinnvoll, jedem Schüler Grundkenntnisse über die großen Weltreligionen zu vermitteln. Dabei sollten die positiven Aspekte betont und die Zweifel bezüglich negativer Aspekte ausgeräumt werden. Den Schülern sollten auch Grundsätze von Liebe und Zusammenarbeit nahegebracht werden.

Sensibilisierung für Terrorakte

Obschon wir alle Individuen sind, sind wir Teil desselben Universums. Wir gehören uranfänglich einer Einheit an und, wenn wir einem Teil schaden, schaden wir der Gesamtheit, der wir ebenfalls angehören. Schlussendlich schaden wir uns dadurch selbst. Es macht keinen Unterschied, ob wir andere oder uns selbst verletzen. Dies muss den jungen Schülern eingeprägt werden.

Es sollten Geschichten, Sketche und Theaterstücke in den Lehrplan aufgenommen werden, um die Grundsätze von Liebe, Frieden und Harmonie zu lehren und die schrecklichen Folgen von Gewalt gegen unschuldige Wesen darzustellen. Es lohnt sich, in solch eine Bildung zu investieren, wenn man bedenkt wieviel Geld für neuere und schärfere Sicherheitsmaßnahmen ausgegeben wird, die nur einen geringen oder gar keinen Einfluss auf den Terrorismus haben.

Es ist auch wichtig, dass jene, die Glaubensrichtungen oder Ideologien angehören, die Terroristen fördern, ihre deutliche Ablehnung gegenüber Terrorismus als Mittel zur Lösung von Streitigkeiten zum Ausdruck bringen. Terroristen sollten andererseits dafür sensibilisiert werden, dass ihre Taten zu Gegenreaktionen in den eigenen ethnischen bzw. religiösen Reihen führen können. Sie sollten nicht als Helden oder Märtyrer geehrt oder dergleichen dargestellt werden. Sie sind asuras und sollten als solche erkannt werden.

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